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Künstliches Fleisch: Kommt jetzt die Protein-Revolution?

Der erste Burger aus der Petrischale kostete 250.000 Euro – und die Aufregung war groß, als der niederländische Professor Mark Post ihn 2013 präsentierte. Inzwischen herrscht Goldgräberstimmung auf der Suche nach dem besten künstlichen Fleisch. Ein Überblick über einen der aussichtsreichsten Märkte der Foodbranche.

Noch ist dem künstlichen Fleisch der Durchbruch nicht gelungen. Doch geht es nach den zahlreichen Start-Ups im Silicon Valley, in Israel und den Niederlanden, wird sich das schon bald ändern. Denn Unternehmen wie Impossible Foods und Memphis Meat arbeiten mit Hochdruck an einer nachhaltigen Proteinversorgung der Zukunft. Dabei lassen sich grob zwei Richtungen unterscheiden: Gezüchtetes Fleisch und jenes, das auf das Prinzip Nachahmung setzt. Die gezüchtete Variante wird im Labor hergestellt, da­für werden Zellkulturen von echten Tie­ren iso­lie­rt, die dann unter geschützten Bedingungen weiterwachsen. Nach­ah­mung bedeutet, dass man pflanz­li­che Rohstoffe wie zum Beispiel Erbsen nutzt, um die Ei­gen­schaf­ten von Fleisch zu imi­tie­ren.

Viele bekannte Geldgeber

Beide Herstellungsverfahren sind schwierige und langwierige Unterfangen – und beide werden massiv von prominenten Investoren und traditionellen Foodunternehmen unterstützt. Gerade erst hat das niederländische Unternehmen Mosa Meat rund 7,5 Million Euro Investorengelder eingesammelt. Einer der Geldgeber: Der Schweizer Nahrungsmittel-konzern Bell. Und es gibt zahlreiche weitere Beispiele:

  • Google Gründer Sergey Brin unterstützte 2013 das Team um Mark Post mit rund 250.000 Euro.
  • Die Volksrepublik China hat 300 Mio. US-Dollar in drei israelische Start-Ups investiert: SuperMeat, Future Meat Technologies und Meat the Future.
  • Das amerikanische Unternehmen Just, früher Hampton Creek, kann alleine um­ge­rech­net fast 200 Mil­lio­nen Eu­ro an In­ves­ti­tio­nen vor­wei­sen.
  • Das Startup Bey­ond Meat hat rund 60 Mio. Euro eingesammelt. Un­ter den In­ves­to­ren fin­den sich der Schau­spie­ler Leo­nar­do Di­Ca­prio und Bill Gates. Seit April ist der deutsche Fleischkonzern PHW, zu dem der Geflügelverarbeiter Wiesenhof gehört, Vertriebspartner des Unternehmens.
  • Wiesenhof investierte Anfang 2018 in das israelische Bio-Tech Start-up Supermeats.
  • Das im Jahr 2011 gegründete Im­pos­si­ble Foods hat in mehreren Finanzierungsrunden knapp 350 Mil­lio­nen Eu­ro von In­ves­to­ren bekommen – un­ter anderem von der Tech-Hol­ding Al­pha­bet (Goog­le) und Bill Gates.
  • Memphis Meat wird von Bill Gates und dem bri­ti­schen Mil­li­ar­där Ri­chard Bran­son unterstützt – aber auch von Branchenriesen wie Cargill und Tyson Foods, dem zweitgrößten Fleischkonzern der Welt.

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Mark Post forscht an der Universität Maastricht und für sein Unternehmen Mosa Meat. Quelle: Wikipedia.

Jetzt die Pole Position sichern

Wer Clayton Christensens Buch „The Innovators Dilemma“ gelesen hat, weiß: Die Strategie, sich frühzeitig mit Innovatoren aus der eigenen oder einer komplementären Branche zu beschäftigen, ist richtig. Dann gilt es nach Möglichkeit, Partnerschaften oder Allianzen mit dem Innovator einzugehen. Gerade Fleischproduzenten tun also gut daran, sich die Entwicklung nicht nur anzuschauen, sondern ganz vorne mit dabei zu sein, bevor es richtig losgeht. Hat man erst mal den Fuß in einer neuen und dazu auch noch wirtschaftlich verheißungsvollen Branche, sichert man sich einen wichtigen Vorsprung vor der Konkurrenz.   

Doch ohnehin scheint es für die traditionellen Produzenten mehr Chancen als Risiken zu geben. Die Verarbeitungstechnologie ist ja da: Kutter, Rauchanlagen, Verpackungsmaschinen, Informationstechnologie. All das kann auch in Zukunft genutzt werden, die Investitionshürden wären demnach ziemlich gering. Außerdem: „Für die Produzenten macht es keinen Unterschied, ob sie echte Grobteile verarbeiten oder ihr künstlich erzeugtes Pendant“, sagt CSB-Branchenexperte Thomas Kersten. Im Gegenteil: Für sie wird es sogar einfacher, da sie unabhängiger von den Lieferanten des natürlichen Rohstoffs werden. Der ist nicht nur immer schwerer in der richtigen Menge zu beschaffen, sondern unterliegt auch noch großen Schwankungen in puncto Qualität und Ausbeute. „Das sind Probleme, die es bei künstlichem Fleisch nicht mehr geben wird“, erklärt Patrick Pilz, ebenfalls erfahrener CSB-Spezialist. Er betreut in den USA einen Kunden, der bereits mitten drin ist in der Fleisch-Revolution. Zudem sei das gezüchtete Fleisch besser geschützt vor Keimen und damit einfacher im Handling, sagt Pilz. 

Superfood und Klimaretter zugleich

Dass das künstliche Fleisch keine Science-Fiction mehr darstellt, sondern zum Superfood und Klimaretter werden könnte, liegt vor allem an seinen vielen positiven Eigenschaften. Die wichtigsten in Kürze:

  • Wird Fleisch im Labor bzw. im Reaktor erzeugt, muss kein Tier dafür geschlachtet werden.
  • Künstliches Fleisch kann helfen, den steigenden Bedarf der Weltbevölkerung an hochwertigem Protein zu decken. Denn die industrielle Fleischverarbeitung wird schon bald an seine Grenzen stoßen.
  • Manche Forscher gehen davon aus, das künstliche Fleisch werde gesünder sein, weil die Inhaltsstoffe streng kontrolliert werden und es weniger anfällig für Verseuchungen mit Krankheitserregern ist.
  • Es ist außerdem viel besser für das Klima. Schätzungen zufolge verbraucht die Produktion 99 Prozent weniger Land, etwa 90 Prozent weniger Wasser und hat eine bessere Klimabilanz als die konventionelle Tierhaltung. „Die Treib­haus­gas-Emis­sio­nen un­se­res Pro­zes­ses sind 90 Pro­zent ge­rin­ger als die von tra­di­tio­nel­ler Tier­wirt­schaft“, sagt etwa Mem­phis-Meats-Grün­der Uma Va­leti. Zudem hätte sich das Problem mit Antibiotika im Grundwasser erledigt.

Aber darf man das überhaupt Fleisch nennen?

Doch es gibt auch Gegenwind. In Frankreich etwa darf per Gesetz ein Lebensmittel nur dann als Fleisch bezeichnet werden, wenn für dessen Herstellung ein Tier geschlachtet wurde. Aber auch in den USA hat sich ein bisschen Widerstand formiert: Im Bundesstaat Missouri wurde im Mai ein Gesetz verabschiedet, das Fleisch als tie­ri­sches Er­zeug­nis de­fi­niert. Das Ge­setz wur­de von De­mo­kra­ten und Re­pu­bli­ka­nern un­ter­stützt. Wer nachgeahmtes Fleisch produziert, muss sich also etwas einfallen lassen und seinen Produkten entsprechende Namen geben. Genau das fordert jetzt auch die United States Cattlemen´s Association, der Verband amerikanischer Rinderhalter. Für sie ist die eindeutige Kennzeichnung des künstlichen Fleischs eine „Top-Priorität, damit bei den Verbrauchern keine Verwirrung“ entsteht.

Zwei Schlüsselfragen: Was kostet es und wie schmeckt es?

Die Schlüsselfrage wird jedoch keine ethische, politische oder rechtliche sein, sondern die, ob sich die Konsumenten mit den neuen Produkten anfreunden können. Zwar ist die Aufmerksamkeit groß, aber die Verbraucher ändern ihre Essgewohnheiten nur langsam. Und mancher Trend schmeckt auch nicht jedem. Clemens Tönnies, Europas Nr. 1 in der Fleischindustrie, hat die Produktion von vegetarischen Produkten nach kurzer Zeit wieder drangegeben. „Ich glaube nicht an diesen Markt. Der Hype ist endgültig vorbei“, sagte Tönnies 2017 nach dem Beenden seines Veggie-Abenteuers. Schließlich habe er die Wurst zweimal probiert. „Und zweimal hat es mir absolut nicht geschmeckt.“  

Ob das künstliche Fleisch eine Erfolgsgeschichte schreibt, darüber entscheidet am Ende also vor allem der Geschmack. Gelingt dann noch der Durchbruch zur kostengünstigen Massenproduktion, kann es die Branche revolutionieren – und in den Supermarktregalen seinen Platz neben konventionell hergestellten Produkten finden. Wann das soweit sein wird, ist aktuell die große Unbekannte. Vielleicht schon 2020, wie Professor Mark Post für seinen Burger prognostiziert, vielleicht aber auch ein paar Jahre später. Und vielleicht kommt es dann ja zu einer Renaissance des Sonntagsbratens: Unter der Woche essen die Menschen das günstigere künstliche Fleisch, am Wochenende gönnen sie sich etwas Besonderes. „The real thing“ eben. Und das darf dann auch ruhig etwas teurer sein.

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